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7.10.2011 von Gerald Fründt.
Wie man wissen kann, arbeite ich intensiv an der Optimierung des Lesen&Verstehens von E-Mail-Texten, von Tweets, von Nachrichten innerhalb von Social Media.Ich suche nach Anregungen, wissenschaftlich fundierten Überlegungen und finde bei Gerhard Roth (Bildung braucht Persönlichkeit) diese Ausage:
“Je komplexer die aufgenommenen Laute sind und je uneindeutiger der Kontext ist, desto höher der Aufwand der Deutung, und desto unsicherer die Interpretation.” (244)
Also - je komplexer eine Nachricht und ihr Inhalt, und je uneindeutiger der in ihr enthaltene Kontext oder Zusammenhang, desto höher der Aufwand bei der Leserin / dem Leser, und desto unsicherer die Interpretation.
Wollen wir noch den Aufwand betreiben und mit Unsicherheiten (weiter) arbeiten?
Wir haben keine andere Chance! Und außerdem bringt das Motivation, bei Kunden und MitarbeiterInnen! Ehrlich!!
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30.8.2011 von Gerald Fründt.
An einem Sonntagvormittag durch das Kommunikationsmuseum in Berlin schlendern. Alles ist Kommunikation. Kommunikation in der Totalen.
Heraus sticht ein geschriebener Satz, der mir nur so in Erinnerung geblieben ist. Etwa wie die Medien (!) bestimmen die Art und Weise, wie wir die Wirklichkeit ordnen und verstehen. Oder so: Die Medien (!) bestimmen die Art und Weise, wie wir denken!
Eine junge Dame sagt etwas etwa so: Ist mein Handy nicht online, bin ich irgendwo nicht da! Wird Wirklichkeit erst durch das Handy?
Und ohne Facebook, habe ich das Gefühl, hat man kein Gesicht!
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11.8.2011 von Gerald Fründt.
Die systematische Sinn-Entleerung der Sprache zum Zwecke ihrer besseren Verkaufbarkeit.
Kann das sein?!
… irgendwie von gestern hängen geblieben …..
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3.3.2011 von Gerald Fründt.
mymuesli, an einem Tag zweimal stolpere ich über mymuesli.
Einmal bei Impulse - Das Unternehmer-Magazin. Durchaus wohlwollend wird der Switch in der Kommunikation bei “Mymuesli-Angestellten” auf Facebook besprochen, Facebook, ein Social Medium - das zweifelsohne nicht mit einem Medium verwechselt werden darf, welches Kontakt zum Jenseits herstellt. Oder doch?
Und dann taucht mymuesli in einem Blog-Beitrag auf, der einen Tweet, ein anderes Social Medium, eines (vermutlich) Angestellten von mymuesli zitiert.
Auch hier, Wohlwollen! Zitat:
“Ganz wichtig ist der Punkt: “Wir bemühen uns sehr”. Denn darum geht es, den Trend zu erkennen und jeden Tag von Neuem versuchen, das Beste zu geben.”
Hier der Tweet:
“@mymuesli mymuesli - Wir bemühen uns sehr, aber man lernt nie aus, gerade beim Support im Web. Aber sonst wäre es ja auch langweilig.”
Die (grammatische) Analyse:
1. “Wir” = Personal-Pronomen, steht für eine Person. In diesem Fall für viele Personen, das macht sich gut. Das macht sich besser, ist aber längst nicht so gut wie ein schlankes, freundliches “ich”. Wer ist in diesem Tweet “wir” - “mymuesli”. Das ist lustig! Denn “my” - auch im Englischen gibt es das! - ist ebenfalls ein Pronomen, ein ehemals so genanntes Besitz anzeigendes Fürwort, allerdings konnte sich das Kurzwort “baf” nicht durchsetzen, Twitter fehlte! So ist es (nur) ein Possessiv-Pronomen, und gibt bekannt, dass eine (!) Person Müsli besitzt.
“Wir” an erster Stelle und in diesem Kontext ist ein semantisches Problem! Und jetzt kommt es noch dicker: weil es sich um einen Tweet handelt, fehlt aus Platzgründen eine Unterschrift, die diese Doppelgesichtigkeit auflösen könnte.
Jede und jeder, der von Grammatik etwas versteht, ahnt, hier kommt eine Mitteilung im Plapper-Modus.
2. “Wir bemühen” = Sich be+mühen um etwas, ein Verb, genauer, ein Zustands-Verb, welches in diesem Kontext lieber ein dynamisches Verb wäre. Wieso “dynamisch” - bitte ein wenig Geduld.
Das Verb ist in der Sprachgeschichte nicht ohne Folgen gewesen - niemand ist verantwortlich zu machen - und hat Haupt-Worte hervorgebracht, ohne diese aufzugeben: “die Mühe” (um 1000), steht für Anstrengung, Last, Aufwand. Oder als kleine Erweiterung “die Mühsal” (11. Jh.), steht für Plage, Anstrengung. Schließlich “die Mühseligkeit” (16. Jh.). Gleiche Bedeutung, aber nun kommt etwas von Leidensfähigkeit auf, die Se(e)ligkeit.
Mein Blick fällt auf eine mittelhochdeutsche Variante: müesalic - warum lese ich da müesli?
Was für den einen Mühe, ist für den anderen Alltag oder Arbeit. Alltägliche Arbeit, die zu einer selbstverständlichen Einstellung geworden ist und nicht mehr der Rede und des Schreibens wert ist. “Die Bemühungen” (Substantivierung zu bemühen) werden aber genau hier in Twitter zu einem Wert. Zumindest wird das so geschrieben!
3. “Wir bemühen uns” = Dieses Verb “be+mühen” kann zu der Gruppe der reflexiv gebrauchten Verben gezählt werden. Reflexiv bedeutet, man muss noch jemand nennen, die oder der sich (!) da müht. Erst kam das Possessiv-Pronomen (my), dann folgte das Personal-Pronomen (Wir), nun folgt das Reflexiv-Pronomen “uns”. Mehrzahl, klarer Fall. Geht ja auch nicht anders. Der Trick ist bei dem reflexiven Gebrauch, dass die Personen zweimal auf die Bühne treten dürfen. Die irritierende Diskrepanz zwischen der Einzahl (my) und der Mehrzahl, nun, so funktioniert halt Social Media! Kein Problem.
4. “Wir bemühen uns sehr” = Sehr gern hätte man, wenn dieses kleine Wörtchen “sehr” zu der Theatergruppe gehören würde. Deswegen bringt man es unmittelbar nach dem “uns”, nach dem ausgewählten Verb. Grammatisch jedoch gehört es zu eben diesem Verb und gibt ihm eine größere Intensität, die gefühlt so mächtig werden kann, als gäbe es da eine Dynamik! Versuchen kann man es ja mal….
Zwischen-Fazit: Mit vier (4) Worten und 17 (siebzehn) Zeichen ( = 16% des Tweets) wird ein Blabla-Zustand skizziert. Bei Johann Wolfgang von hatte das Bemühen wenigstens eine Qualität - “Wer immer strebend (!) sich bemüht….”, hier steht nur die nackte Plage! Zwei starke Persönlichkeiten in der Mehrzahl! Im Hintergrund ein einsames einzelnes “my”!
Die Mitteilung geht weiter mit einem Komma, einer kurzen Pause, einem winzigen Schritt zu der nachfolgenden Katastrophe: Denn der winzige Schritt führt frontal zu der adversativen, also entgegensetzenden Konjunktion “aber”.
Zu was “aber” - zu dem Bemühen (weitere Substantiv-Variante). Zu wem “aber” - zu der Herrschaftlichkeit der Mehrzahl oder diesem kleinen “my”. Meine Zeit ist um …..
…. und ich lese das nicht mehr Korrektur …. so sei es!
P.S.
Jedes Wort ist in jedem Zusammenhang irgendwie immer anders, dieses meinte Wittgenstein mit der Bemerkung, die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch.
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13.8.2010 von Gerald Fründt.
Unzählige E-Mails gehen in jedem Augenblick hin und her. In den Unternehmen und den Organisationen. Zwischen diesen. Schließlich mischt sich noch der Kunde, der Verbraucher, die und der Einzelne in dieses ruhelose Wandern der unzähligen E-Mails.
Aber es sind ja niemals die E-Mail allein. Immer hat sie in sich Worte, die jemand geschrieben hat, und Worte, die jemand zu lesen hat.
Jedes Wort hat seine Bedeutung, seine Nebenbedeutungen, seine Zusatzbedeutungen.
Unzählige Wort-Bedeutungen gehen in jedem Augenblick hin und her. Sie häufen sich an bestimmten Stellen, sie dünnen aus an anderen Stellen. Sie sind ständig in Bewegung, diese unzähligen Wort-Bedeutungen.
Dann diese E-Mail-Antwort: “Ich bin abwesend bis einschließlich 03.09.2010, aber Ihre Mail wird von meinem Stellvertreter eva.nachname@unternehmen.de bearbeitet.”
Welche Bedeutung hat das Wort “Stellvertreter”, welche Zusatz-Bedeutung hat der Name “Eva”?
Das Wort “Stellvertreter” ist in dieser und in all den anderen E-Mails, die das Wort unzutreffend verwenden, eine dieser “gehäuften Wort-Bedeutungen”; das alternative Wort “meine Stellvertreterin …” gehört (noch) zu den dünnen Wort-Bedeutungen.
Ach, und dabei fällt mir auf: Eine E-Mail-Adresse kann eigentlich weder ein “Stellvertreter” noch eine “Stellvertreterin” sein. Aber so weit ist es mit der E-Mail-Adresse, sie funktioniert als Synekdoche, indem das Weitere (die sicherlich charmante und liebenswerte Frau Eva Nachname) durch das Engere (die E-Mail-Adresse der Dame) bezeichnet.
Wer “schafft” so etwas: ein Mann!
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10.8.2010 von Gerald Fründt.
Nicholas Carr schreibt in einem Artikel (ZEIT, 5. November 2009):
“Der Wandel von der Knappheit zum Überfluss auf dem Gebiet der Medien bedeutet, dass wir bei der Entscheidung darüber, was wir lesen, sehen oder hören wollen, viel mehr Auswahl besitzen als unsere Eltern und Großeltern.”
Jetzt mal einen Moment innehalten - welcher Gedanke zieht sich durch meine 111-E-Mail-Regeln? Lesen, das richtige, passende, bewusste, ausgewählte Lesen!
Was gelesen werden kann - jede E-Mail gehört zu der Auswahl, zu dem Angebot.
Was gelesen wird - bei jeder E-Mail muss entschieden werden!
Sowohl Auswahl als auch Entscheidung genauer beobachten, man lernt sehr viel über einen Markt.
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14.5.2010 von Gerald Fründt.
In einem Forum finde ich diesen Beitrag:
Hallo,
ich möchte hier nun mein Logbuch veröffentichen, hoffe bin hier richtig.
Meine kurze Analyse.
(01) Satzanfang mit dem Pronomen “ich” und dem Modalverb “möchte”. Kern der bedeutungstragenden Silbe ist der Diphtong “ö”.
(02) Am Satzende folgt das Verb “etwas veröffentlichen”. Nach dem Präfix “ver-” wiederholt sich der Diphtong “ö” aus dem Modalverb. Das Verb ist abgeleitet aus dem Adjektiv “öffent-lich”, was man öffentlich macht, veröffentlicht man.
(03) Die dritte Silbe des Verbes “-lichen” wird anders geschrieben, denn das “l” entfällt und aus dem vorgesehenen “lich” wird ein unvorhergesehenes “Ich”.
(04) Die Satzanfangsstruktur “ich + [ö]” wiederholt sich am Satzende, nur in der umgekehrten Reihenfolge: “[ö] + (l)ich”. Das persönliche “ich” umklammert das angesprochene “mein Logbuch”, als möchte es dieses schützen. Wohl wissend, dass das nicht geht.
(05) Der folgende Satz ist deswegen (!) elliptisch, ein wesentliches Element wird weggelassen: “ich” fehlt! Und dieses Fehlen ist zweifach:
Wer hofft = [ich] hoffe
Wer ist richtig = [ich] bin hier richtig.
So arbeitet Sprache, die Sprache in uns, die Sprache mit uns.
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16.2.2010 von Gerald Fründt.
E-Mail, Twitter, Blog & all die anderen …
Das ist ja alles wunderbar mit “Social Media”. Aber “Social Media” ist Schrift, ist Schreiben, ist Lesen, ist hoffentlich Verstehen.
Was da auf uns zukommt, wenn man bereits von den akademischen, wissenschaftlichen Legasthenikern spricht pardon schreibt
Auf uns kommt da was zu!
Was?
König Belzasar ist ein exzellentes Beispiel für “Social Media”!
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