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Archiv der Kategorie Hey-Worte

Deutsche Telekom - Selbstverpflichtung

Satz 1:
“Wir machen Nachhaltigkeit zur Chefsache” - als wenn sich ein Chef noch nie zuvor um das Nachhalten kümmern musste…. so tut jedenfalls die Deutsche Telekom.

Quelle des Zitats ZEIT, 27. April 2010

Die Bahn - aus gegebener Verständlichkeit

Irgendwer scheint da den Hebel umgelegt zu haben: “eine maximale Verständlichkeit gegenüber unseren Kunden zu erreichen” - das will man, das wird zitiert und ein echte Herausforderung für die E-Mail-Praxis.com

“gegenüber” - wird in der Grammatik als eine modale Präposition geführt, sie bezeichnet die Art und Weise von etwas genanntem.

Beispiele:
Gegenüber den Vorjahren hat sich der Verkehr gebessert.
Ihren Eltern gegenüber hat sie ihre Situation anders geschildert.

“Verständlichkeit” - eine Substantivierung ( + keit) aus dem Adjektiv “verständlich” mit diesen beiden Bedeutungen:
= etwas ist so beschaffen, dass es leicht zu begreifen ist, in Sinn und Bedeutung leicht zu erfassen ist.
= etwas ist so beschaffen, dass man Verständnis dafür hat, dass man die Gründe und Ursachen einsieht.

Ich vermute, gemeint ist die zweite Variante - und nun fangen die Herausforderungen an!

1. Ein Verständnis bekommt man, oder man bekommt es nicht. Gründe oder Ursachen sieht man ein, oder man sieht sie nicht ein. Ein Maximum (”maximal”) ist bei einem Entweder-Oder nicht passend, aber es passt zu der bedeutungsentleerten Management-Sprache. Man kann sich das Meeting so richtig vorstellen, “eine maximale Verständlichkeit brauchen wir” - und niemand merkt, dass die Verständlichkeit schon wieder einen mitbekommen hat.

2. Durch die Substantivierung wird “Verständlichkeit” bereits als Eigenschaft bzw. Zustandsbezeichnung festgelegt. Die Bahn besitzt also bereits den Zustand der “Verständlichkeit”, nur maximal ist er noch nicht. Manager denken gern in Zuständen und Prozessen, die man nur zu “kommunizieren” hat.
Allerdings zeigt die Alltagserfahrung einen befremdenden Zustand:
Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf verspätet sich der ICE 007 um 30 Minuten, wir bitten um Ihr Verständnis.

Das tut mir leid, ich verstehe die “Betriebsabläufe” nicht, ich verstehe ja schon die Wort-Komposition “Betrieb” + “Abläufe” nicht. Wenn ich das nicht verstehe, kein Verständnis, das tut mir leid.

3. “Gegenüber” - man kann über die Verwendung dieser Präposition so lange nachdenken, bis das Unbehagen verblasst. Aber das wollen ja genau die, die sich solche Verwendungen ausdenken und für die das “Sinn macht”.
Unsinn!
Nochmal zurück zu der “Verständlichkeit”. Zu dieser Wort-Familie gehört nämlich das Verb “verstehen”, und in einem sinnvollen Satz genutzt: “ich verstehe ja die Bahn-Manager!”. Das ist aktiv, Aktiv! Wechsele ich jetzt in das Passiv, die Erleidens-Form, heißt der Satz: “Die Bahn-Manager werden ja …. von mir …. verstanden.” Da ist jetzt eine Präposition mit einem Dativ im Rennen. Aber ich gehe noch einen Schritt weiter und bringe diesen Satz:
“Die Bahn-Manager werden ja …. für mich …. verständlich.”
Alles klar?!
Bei dem Satz “die Bahn-Manager werden gegenüber mir verständlich” steckt doch zu sehr die eigentlich unverbesserliche Position der Bahn-Manager-Sprache - was man “erreichen” möchte, ist die sanfte Gewöhnung der Kunden an das, was bereits ist.
Vielleicht hier und da ein paar Anpassungen im Ablauf, aber im “Betriebs-Kern” unveränderbar: “eine maximale Verständlichkeit gegenüber unseren Kunden zu erreichen”.

Sprache ist immer ehrlich …..

Analyse E-Mail - Siemens 2. Teil

[…. Fortsetzung …..]

[VI.] lieber herr schaefer,

11. Natürlich ist dem Schreiber die Art und Weise des eben Geschriebenen auch irgendwo im Hinterkopf, deswegen jetzt die zuckersüße Anrede mit „lieber“

12. „herr“ wird zwar kleingeschrieben, aber wengistens ausgeschrieben; ausgeschrieben wird auch der Name.

13. Es folgt ein Komma – bei dieser zuckersüßen Anrede hätte ein Ausrufungszeichen die Süße noch hervorgehoben, aber so weit wollte der Schreiber nicht gehen.

[VII.] … wir, d.h. cf + kpmg haben heute herrn cromme high level ueber die aufgaben + themengebiete des pa ge-briefed.

14. Echt oder unecht, die E-Mail wird fortgesetzt mit einem überraschenden „wir“ = eine Erzählung kündet sich an.

15. Problematisch: das geschriebene „wir“ wird aufgelöst in ein kleingeschriebenes Kürzel „cf“ - ich vermute mal „corporate finance“, dann folgt das mathematische „+“, dann folgt das kleingeschriebene Kürzel „kpmg“, was vermutlich großgeschrieben werden müsste, weil damit das Unternehmen KPMG gemeint ist.
Da „cf“ als erstes genannt wird, zählt sich der E-Mail-Schreiber vermutlich in diese Gruppe.

16. Kein Komma folgt dem mit „d.h.“ eingeleitet Einschub (Parenthese), so dass man schnell lesen kann „cf + kpmg“ haben etwas gemacht – und die individuelle Person ist raus und war vielleicht nur Beobachter oder hat das zufällig mitbekommen.

17. Als nächstes wird das Objekt des Satzes eingeführt, der „herr cromme“ - nun allerdings wird das „herr“ nicht gekürzt, womit die Abkürzung in dem Betreff nicht mehr zufällig ist.
Wir haben Herrn Cromme über etwas unterrichtet – das ist der Satz. Allerdings wird ein anderes Prädikat gewählt, nämlich das modische und eingedeutschte „brief-en“.

18. Nachgeschaut: „brief“

(a) englisches Adjektiv mit der Bedeutung „kurz“ (the news in brief = Kurznachrichten)
(b) englisches Substantiv mit der Bedeutung „Auftrag“
(c) englisches Verb aus dem juristischen Bereich mit der Bedeutung „instruieren“ - aber eben nicht „informieren, unterrichten“, was wahrscheinlicher gemeint ist.

19. Informiert wurde Herr Cromme über zwei Dinge: welche Aufgaben der „pa“ (steht vermutlich für Prüfungsausschuss) hat, und welche Themengebiete der „pa“ hat.

20. !!!Verschwendung & Informations-Überlastung!!!

Herr Neubürger schreibt von „Themen-Gebiete“ - ausreichend wäre gewesen, nur „Themen“ zu nennen. Durch die Kombination mit „Gebiet“ entsteht eine Topographie der Themen, vergleichbar einer für militärische Zwecke genutzten Landkarte. Manchmal liegen Wirtschaft und Militär nicht sehr weit auseinander – und ein kleiner Vorgriff: Am Ende dieser E-Mail steht ein zackiger „gruss“, kleingeschrieben, und ohne Satzzeichen, da spart man also wieder, bei „Themengebieten“ nicht. Das hat einen Sinn!

21. !!!Unklarheit!!!

Herr Cromme war Anfang 2005 bereits Vorsitzender des Prüfungsausschusses, handelt es sich also um die Einführungs-Veranstaltung? Und wenn man diesen Umstand erwähnt hätte, hätte man dann nicht schon eine Abschwächung der späteren Vorwürfe gehabt – alles ist Strategie. Jedes Wort, auf jedes nicht geschriebene Wort.
Worüber man nicht reden kann, darüber muss man schweigen, sagt Wittgenstein.

22. ??? High Level ???

Adverb oder getarnte Präpositional-Phrase, das wird jetzt die Frage.
Herr Neubürger verwendet den Anglizismus „high level“. In meinem kleinen Sprachbuch finde ich diese Formulierung:
the talks were held at a very high level = die Gespräche fanden auf hoher Ebene statt.
Gleich anschließend diese Formulierung:
on a purely personal level = rein persönlich
Wenn man genau hinschaut, die relevanten Phrasen beginnen stets mit einer Präposition (at, on), alles andere wäre auch sprachlicher Unfug.
In dem vorliegenden Satz gibt es jedoch keine Präposition in Verbindung mit dem (high) level, und da es keine Präposition gibt, die einen „Ort“ (level) bezeichnet, bleibt als Erklärung nur das Adverb.
Die Kleinschreibung tut ein übriges, Adverben werden kleingeschrieben.
Mit einem Adverb wird häufig die Art und Weise einer Handlung ausgedrückt: die Art und Weise des Informierens, Pardon, des Briefens war high level.
Zu Deutsch: das Informieren war eines auf hohem Niveau, Herr Cromme wurde niveauvoll informiert.
ABER das passt nun gar nicht in diese Wirtschaftswelt der Scheine oder des Scheins, in dieses deutsche Unternehmen, in diese Situation, der ja ein solches Gewicht zugestanden wird.
Wer denkt sich nur solch eine Schreibweise aus, und vor allem, zu welchem Zweck?

Zwischen-Fazit: High Level sieht anders aus

….. hier geht es demnächst weiter, denn die Siemens-E-Mail aus dem manager magazin ist noch nicht am Ende *lach*

E-Mail & Koordination in Unternehmen

(01) E-Mail ist Koordination. Eine E-Mail schreiben ist koordinieren. Das ist das Ergebnis, beobachte ich nicht nur die E-Mail-Kommunikation, aber dort ganz besonders auffallend, IN den Unternehmen und Organisationen.

(02) E-Mail ist Koordination. Erst dann folgt - wenn die E-Mail wirkt - erst dann folgt Kooperation. Und dann - wenn die E-Mail weiterwirkt - folgt Kommunikation.

(03) Eine E-Mail schreiben ist koordinieren. Und sofort stehen da die beiden Seiten der E-Mail: was wird geschrieben und wie funktioniert das Geschriebene.

(04) Schaue ich auf die Seite “Was-wird-geschrieben”, schon tauchen die Herausforderungen auf, über die ich hier in meinem Blog laufend nachdenke und schreibe. Denn auf dieser Seite geht es um die Auswahl und Entscheidung für bestimmte “Hey-Worte” oder für allgemein gebräuchliche Worte oder um seltenere Worte oder um noch seltenere Worte, so dass diese ganz besonders auffallen und so einen ganz eigenen Beitrag zur Koordination leisten.

(05) E-Mail ist Koordination - und das habe ich jetzt erst einmal hier stehen. Dennoch als Zusammenfassung:

Koordination = das Abstimmen verschiedener Dinge, Vorgänge, Arbeiten, Prozesse etc. aufeinander (physiologisch: Zusammenspiel der Muskeln zu bestimmten beabsichtigten Bewegungen).

Kooperation = die Zusammenarbeit, das Zusammenwirken. Jemand kann kooperativ sein oder sich der Kooperation verweigern.

Kommunikation = Verkehr, Umgang, Verständigung zwischen den Menschen. Jemand kann kommunikativ sein, großen Wert auf die Kommunikation legen, eine besondere Kompetenz besitzen.

E-Mail & das Hey-Wort

Was ist ein “Hey”?
Das “Hey” ist eine sogenannte Interjektion. Interjektionen kommen vor allem in der gesprochenen Sprache vor, also in E-Mail!
Das “Hey” ist ein “Ausdruck spontaner, reaktiver Emotionen oder Bewertungen”, schreibt die Duden-Grammatik.
Das “Hey” kann einen Satz ersetzen.

Wie funktioniert ein “Hey”?
Je nach Betonung kann ein “hey” unterschiedliche Emotionen oder Bewertungen ausdrücken:
Erstens: Zweifel an dem Gesagten = “hey” mit steigender Tonhöhe.
Zweitens: Überraschung über das Gesagte = “hey” mit fallender Tonhöhe.
Drittens: Bedauern über das Gesagte = “hey” mit gedehnter Tonhöhe.
Viertens: Verärgerung über das Gesagte = “hey” mit gleichbleibender Tonhöhe.
In dem Wort “hey” ist eine ganze Menge los, in der E-Mail muss man die Tonhöhe entweder aus dem unmittelbaren Zusammenhang “heraushören” oder sich “denken”.

Was ist dann ein “Hey-Wort”?
Die Interjektion “hey” signalisiert, dass hier ein Wort in bestimmter Tonhöhe gebraucht wird. In einer Transskription würde man das bei dem Wort selbst notieren. Wird ein Wort als “Hey-Wort” eingesetzt, möchte der E-Mail Schreiber auch gleich z.B. eine Überraschung hervorrufen.

(1) Ich habe eine E-Mail von Frau Merkel bekommen. (Standard-E-Mail)
(2) Ich habe eine - hey - E-Mail von der - hey - Kanzlerin bekommen. (Echte E-Mail)
(3) Ich ey! habe eine ey! E-Mail von der Kanzlerin ey! bekommen. (Authentische E-Mail)

Die Worte (ICH ey!) bekommen einen (Tonhöhen)-Wert, sie spielen plötzlich mit auf dem “Hey-Wort-Markt”. Märkte sind dafür da, siehe Finanzkrise, dass sie beobachtet werden. Von Märkten kann man sehr viel lernen, auch für das Leben - hey! Aber jetzt werde ich ironisch!

Warum heißt ein “Hey-Wort” einfach nur “Hey-Wort”?
Es könnte auch “Wow-Wort” heißen, allerdings ist die Interjektion “wow” bereits belegt.

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