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30.8.2011 von Gerald Fründt.
An einem Sonntagvormittag durch das Kommunikationsmuseum in Berlin schlendern. Alles ist Kommunikation. Kommunikation in der Totalen.
Heraus sticht ein geschriebener Satz, der mir nur so in Erinnerung geblieben ist. Etwa wie die Medien (!) bestimmen die Art und Weise, wie wir die Wirklichkeit ordnen und verstehen. Oder so: Die Medien (!) bestimmen die Art und Weise, wie wir denken!
Eine junge Dame sagt etwas etwa so: Ist mein Handy nicht online, bin ich irgendwo nicht da! Wird Wirklichkeit erst durch das Handy?
Und ohne Facebook, habe ich das Gefühl, hat man kein Gesicht!
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3.3.2011 von Gerald Fründt.
Wie wird denn das wohl, wenn in einem Unternehmen jemand abschreibt:
“Kommunikationswissenschaftler Neuberger weiß um unerwünschte Nebenwirkungen. Prozesse im Internet seien schwer steuerbar, damit müssten Politik, Unternehmen und Redaktionen rechnen: “Obwohl Guttenberg alle Ausweichmanöver unternommen hat, die man in solchen Fällen einleitet, war er nicht in der Lage, das Thema kleiner zu reden.” Neuberger hält es allerdings für möglich, dass die Vorgänge im Netz überschätzt werden, auch von Journalisten.”
http://www.tagesschau.de/inland/guttenbergfacebook104.html
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3.3.2011 von Gerald Fründt.
mymuesli, an einem Tag zweimal stolpere ich über mymuesli.
Einmal bei Impulse - Das Unternehmer-Magazin. Durchaus wohlwollend wird der Switch in der Kommunikation bei “Mymuesli-Angestellten” auf Facebook besprochen, Facebook, ein Social Medium - das zweifelsohne nicht mit einem Medium verwechselt werden darf, welches Kontakt zum Jenseits herstellt. Oder doch?
Und dann taucht mymuesli in einem Blog-Beitrag auf, der einen Tweet, ein anderes Social Medium, eines (vermutlich) Angestellten von mymuesli zitiert.
Auch hier, Wohlwollen! Zitat:
“Ganz wichtig ist der Punkt: “Wir bemühen uns sehr”. Denn darum geht es, den Trend zu erkennen und jeden Tag von Neuem versuchen, das Beste zu geben.”
Hier der Tweet:
“@mymuesli mymuesli - Wir bemühen uns sehr, aber man lernt nie aus, gerade beim Support im Web. Aber sonst wäre es ja auch langweilig.”
Die (grammatische) Analyse:
1. “Wir” = Personal-Pronomen, steht für eine Person. In diesem Fall für viele Personen, das macht sich gut. Das macht sich besser, ist aber längst nicht so gut wie ein schlankes, freundliches “ich”. Wer ist in diesem Tweet “wir” - “mymuesli”. Das ist lustig! Denn “my” - auch im Englischen gibt es das! - ist ebenfalls ein Pronomen, ein ehemals so genanntes Besitz anzeigendes Fürwort, allerdings konnte sich das Kurzwort “baf” nicht durchsetzen, Twitter fehlte! So ist es (nur) ein Possessiv-Pronomen, und gibt bekannt, dass eine (!) Person Müsli besitzt.
“Wir” an erster Stelle und in diesem Kontext ist ein semantisches Problem! Und jetzt kommt es noch dicker: weil es sich um einen Tweet handelt, fehlt aus Platzgründen eine Unterschrift, die diese Doppelgesichtigkeit auflösen könnte.
Jede und jeder, der von Grammatik etwas versteht, ahnt, hier kommt eine Mitteilung im Plapper-Modus.
2. “Wir bemühen” = Sich be+mühen um etwas, ein Verb, genauer, ein Zustands-Verb, welches in diesem Kontext lieber ein dynamisches Verb wäre. Wieso “dynamisch” - bitte ein wenig Geduld.
Das Verb ist in der Sprachgeschichte nicht ohne Folgen gewesen - niemand ist verantwortlich zu machen - und hat Haupt-Worte hervorgebracht, ohne diese aufzugeben: “die Mühe” (um 1000), steht für Anstrengung, Last, Aufwand. Oder als kleine Erweiterung “die Mühsal” (11. Jh.), steht für Plage, Anstrengung. Schließlich “die Mühseligkeit” (16. Jh.). Gleiche Bedeutung, aber nun kommt etwas von Leidensfähigkeit auf, die Se(e)ligkeit.
Mein Blick fällt auf eine mittelhochdeutsche Variante: müesalic - warum lese ich da müesli?
Was für den einen Mühe, ist für den anderen Alltag oder Arbeit. Alltägliche Arbeit, die zu einer selbstverständlichen Einstellung geworden ist und nicht mehr der Rede und des Schreibens wert ist. “Die Bemühungen” (Substantivierung zu bemühen) werden aber genau hier in Twitter zu einem Wert. Zumindest wird das so geschrieben!
3. “Wir bemühen uns” = Dieses Verb “be+mühen” kann zu der Gruppe der reflexiv gebrauchten Verben gezählt werden. Reflexiv bedeutet, man muss noch jemand nennen, die oder der sich (!) da müht. Erst kam das Possessiv-Pronomen (my), dann folgte das Personal-Pronomen (Wir), nun folgt das Reflexiv-Pronomen “uns”. Mehrzahl, klarer Fall. Geht ja auch nicht anders. Der Trick ist bei dem reflexiven Gebrauch, dass die Personen zweimal auf die Bühne treten dürfen. Die irritierende Diskrepanz zwischen der Einzahl (my) und der Mehrzahl, nun, so funktioniert halt Social Media! Kein Problem.
4. “Wir bemühen uns sehr” = Sehr gern hätte man, wenn dieses kleine Wörtchen “sehr” zu der Theatergruppe gehören würde. Deswegen bringt man es unmittelbar nach dem “uns”, nach dem ausgewählten Verb. Grammatisch jedoch gehört es zu eben diesem Verb und gibt ihm eine größere Intensität, die gefühlt so mächtig werden kann, als gäbe es da eine Dynamik! Versuchen kann man es ja mal….
Zwischen-Fazit: Mit vier (4) Worten und 17 (siebzehn) Zeichen ( = 16% des Tweets) wird ein Blabla-Zustand skizziert. Bei Johann Wolfgang von hatte das Bemühen wenigstens eine Qualität - “Wer immer strebend (!) sich bemüht….”, hier steht nur die nackte Plage! Zwei starke Persönlichkeiten in der Mehrzahl! Im Hintergrund ein einsames einzelnes “my”!
Die Mitteilung geht weiter mit einem Komma, einer kurzen Pause, einem winzigen Schritt zu der nachfolgenden Katastrophe: Denn der winzige Schritt führt frontal zu der adversativen, also entgegensetzenden Konjunktion “aber”.
Zu was “aber” - zu dem Bemühen (weitere Substantiv-Variante). Zu wem “aber” - zu der Herrschaftlichkeit der Mehrzahl oder diesem kleinen “my”. Meine Zeit ist um …..
…. und ich lese das nicht mehr Korrektur …. so sei es!
P.S.
Jedes Wort ist in jedem Zusammenhang irgendwie immer anders, dieses meinte Wittgenstein mit der Bemerkung, die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch.
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